ViDA · Strategy

ViDA 2027–2035: Was bedeutet das für Ihre Organisation?

Die Zeitachse ist lang genug, um vernünftig zu planen – aber zu kurz, um auf den perfekten Moment zu warten. Der größte Nutzen liegt in einer frühen Impactanalyse und einer beherrschten Route nach vorn.

ViDA ist kein Thema mehr für später. Das Paket wurde am 11. März 2025 endgültig vom Rat der EU angenommen. Die Einführung läuft phasenweise bis zum 1. Januar 2035. Für Organisationen bedeutet das nicht, dass sich heute alles ändern muss – wohl aber, dass Daten, Fakturierung und VAT-Reporting immer weniger getrennt voneinander eingerichtet werden können.

Betrachten Sie ViDA deshalb nicht als isoliertes Compliance-Projekt. Die Frage ist, ob Ihr aktueller Prozess, Ihre Daten und Ihre Governance ohne großen Aufwand auf ViDA-Anforderungen hinwachsen können. Wer das zu spät untersucht, stellt meist fest, dass die größte Aufgabe nicht im E-Invoicing liegt, sondern in Quelldaten, Ausnahmen und fragmentierter Verantwortlichkeit.

Die Veränderung kommt in Schritten, nicht in einem Moment

In Grundzügen bewegt sich ViDA in drei Blöcken. Ab 2027 und 2028 ändern sich unter anderem Teile der Single VAT Registration und der Plattformregeln. Ab dem 1. Juli 2030 werden digitale Meldepflichten für innergemeinschaftliche B2B-Transaktionen wichtiger und E-Invoicing rückt deutlicher in den Vordergrund. Spätestens zum 1. Januar 2035 müssen bestehende nationale Domestic-Reporting-Systeme an den europäischen Standard angeschlossen sein. Die genaue Auswirkung hängt dabei stets von Ihren Transaktionsströmen, Ländern und bestehenden Systemen ab.

Nutzen Sie 2026 und 2027, um Ihren Impact zu erfassen. Diese Jahre sind dafür gedacht, festzustellen, wo Ihre größte Lücke liegt. Manche Organisationen haben vor allem ein Daten- und Stammdatenproblem. Andere kämpfen vor allem mit lokalen Ausnahmen, Maßarbeit im ERP oder einem Filing-Prozess, der nicht mehr dazu passt, wie Transaktionen tatsächlich durch die Organisation laufen.

ViDA erfordert nicht zwingend ein großes Mehrjahresprogramm. Es erfordert aber eine nüchterne Bestandsaufnahme dessen, was heute noch zu fragil ist, um unter Digital Reporting weiterzulaufen.

Die Auswirkung liegt vor allem in der Kette rund um VAT-Daten

Viele Organisationen schauen bei ViDA zuerst auf Rechnungsformate oder lokale Reporting-Anforderungen. Das ist verständlich, aber zu eng gefasst. In der Praxis beginnt der eigentliche Impact viel früher: bei Stammdaten, Dokumentenflüssen, Tax Codes, Transaktionstypen, Verweisen zwischen Quell- und Outputdaten und der Frage, ob Ihre Organisation Fehler früh genug erkennt. Digital Reporting macht diese Schwachstellen nicht größer, wohl aber sichtbarer und weniger verzeihlich.

Deshalb ist ein funktionierender ViDA-Ansatz in der Regel multidisziplinär. Tax, Finance, ERP, Reporting und Business Operations müssen dasselbe Verständnis davon haben, was eine Transaktion ist, welche Daten verpflichtend sind und wo die Kontrolle stattfindet. Ohne diese Grundlage besteht das Risiko, dass Teams aneinander vorbeiarbeiten: hier ein technisches Projekt, dort ein Tax Review und ein lokaler Workaround, sobald die Frist näherrückt.

Eine gute Roadmap muss nicht kompliziert sein. Sie muss vor allem deutlich machen, welche Länder oder Ströme Sie zuerst betrachten, welche Mindestdatensätze Sie brauchen und wo Sie bewusst auf einen Proof-of-Concept setzen, bevor Sie weiter ausrollen. Das senkt das Risiko und verhindert, dass ViDA zu einer Sammlung loser Einzelinitiativen wird.

Beginnen Sie mit einer Impactanalyse, die in der Praxis nutzbar ist

Der beste erste Schritt ist meist keine Target Architecture, sondern eine kurze Impactanalyse auf Länder, Daten und Prozesse. Welche innergemeinschaftlichen B2B-Ströme sind materiell? Welche Quelldaten sind heute nicht stabil genug? Wo gibt es manuelle Zwischenschritte zwischen Transaktion, Rechnung und Reporting? Sobald dieses Bild steht, können Sie viel besser entscheiden, ob Sie zuerst Daten bereinigen, einen Piloten in einem Land starten oder Ihre Governance verstärken möchten.

Praktische Tipps

Um ViDA beherrschbar anzugehen, helfen diese Schritte:

  • Arbeiten Sie mit einer begrenzten Auswahl an Prioritätsländern oder Transaktionsströmen, statt sofort eine EU-weite Bestandsaufnahme abschließen zu wollen.
  • Erfassen Sie pro Prioritätsstrom, welche Daten heute fehlen, unzuverlässig sind oder zu spät verfügbar werden.
  • Halten Sie fest, welche Teams Eigentümer von Quelldaten, Fakturierung, VAT-Review und endgültigem Reporting sind – damit Lücken sichtbar werden.
  • Wählen Sie einen Proof-of-Concept, der sowohl Tax als auch ERP wirklich berührt – sonst bleibt ViDA eine Papier-Roadmap.
  • Überprüfen Sie die Zeitachse regelmäßig, da nationale Ausgestaltung und lokale Verpflichtungen neben der europäischen Hauptlinie weiterlaufen können.

Möchten Sie Ihren ViDA-Impact konkret machen?

Wir helfen Ihnen festzustellen, wo in Ihrer Landschaft der Druck am größten ist und welche Route für Daten, Controls und Reporting sinnvoll ist.

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